Konzept

Beaufort 2018

Beaufort ist ein Kunstprojekt, das alle drei Jahre an der gesamten belgischen Küste entlang stattfindet. Gestartet wurde das Projekt, bei dem die See oft die Hauptrolle spielt, im Jahr 2003. In Beaufort 2018 wird das Meer als unbeherrschbarer Ort dargestellt, der uns aber auch mit dem Rest der Welt verbindet. Jeder teilnehmender Künstler kommt aus einem Land, das auch eine Grenze zum Meer hat. Ein weiteres Thema dieser Auflage ist die Rolle der ständigen Denkmäler. Wie können Sie einem Ort eine Bedeutung verschaffen? Welche Auslegung erhält es von den Anwohnern? Und inwiefern ist die Kraft ihrer Botschaft mit dem Zeitgeist verbunden?

Denkmäler werden nach alter Tradition für Personen aufgestellt, die einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft geliefert haben. Andererseits sind sie auch oft Symbol für tragische Ereignisse wie Katastrophen und Kriege, bei denen viele Opfer fielen. Sie erinnern daran, dass nicht alle gesellschaftliche Prozesse, wie Macht und Herrschaft, immer unter unserer Kontrolle stehen. Trotz des menschlichen Drangs nach Ordnung und Frieden, untersteht die Geschichte dem Rhythmus von Ebbe und Flut.

Denkmäler sind sicherlich die Verkörperung der Verewigung von Ideen geworden, während die Bedeutung und die Kraft von Ideen vom Zeitgeist bestimmt werden. Bestimmte Kolonialdenkmäler beispielsweise verherrlichen Heldentaten, aber heutzutage ist ihre Botschaft veraltet. Die jüngsten Diskussionen über die Statuen, die an die belgische Kolonialvergangenheit erinnern, sind eine Folge dieser nicht einfachen Situation. Werden sie abgenommen, da sie den heutigen Zeitgeist nicht mehr darstellen, oder lässt man sie stehen und erklärt man sie in einem neuen Text? Die gleiche Debatte wurde auch in zahlreichen Ländern nach der Zeit des Kommunismus geführt, wo ehemalige Staatsherren von ihren Sockeln geholt wurden. Der wahre Wert eines Denkmals oder einer Heldentat, die Respekt verlangt, wird erst nach einer langen Zeit deutlich. Er hängt mit den sich ändernden Verhältnissen der Gesellschaft und der zunehmenden Kenntnissen zusammen.

Benötigen wir neue Denkmäler? Wenn ja, auf welche Weise können sie die Auffassung unserer Zeit korrekt wiedergeben? Ist so etwas überhaupt möglich?

Die Realität des Klimawandels hat uns zu einem Wendepunkt gebracht. Wir sind verpflichtet, auf bescheidenere Weise mit den Elementen umzugehen. Während der Mensch sich in der Vergangenheit selbst eine Alleinherrschaft anerkannt, auch getragen durch unsere wissenschaftlichen Entwicklungen, erkennen wir jetzt Grenzen unseres Könnens, und damit auch Grenzen an unser starres westliches Denken. Der Meeresspiegel steigt und unsere einbildete Kontrolle geht einen Schritt zurück. Millionen Menschen drohen, aufgrund unsers globalen ökologischen Fehlverhaltens zu Klimaflüchtigen zu werden.

Unsere Verletzbarkeit gegenüber der Natur ist an der Küste am besten zu beobachten. Die Künstler von Beaufort 2018 stellen das sich verändernde Verhältnis zwischen Mensch und Natur dar und die Werke verkörpern eine Überlegung über die Beschränkungen der materiellen Verewigung durch das Bauen von Denkmälern. In diesem Sinne ist Beaufort 2018 durchdrungen von einer jahrhundertealten und aktuellen Huldigung der Allmächtigkeit der See.

Besuch Beaufort vom 30. März bis 30. September 2018.
 

Kuratorin Heidi Ballet

Heidi Ballet (°1979, Hasselt) arbeitet als unabhängige Kuratorin von Brüssel und Berlin aus. 2017 kuratierte sie in Norwegen die Lofoten-Biennale (LIAF) unter dem Titel I Taste The Future, zusammen mit Milena Hoegsberg. 2016 kuratierte sie die Ausstellungsreihe Our Ocean, Your Horizon im Jeu de Paume in Paris und dem musée d'art contemporain (CAPC) in Bordeaux mit den Künstlern Edgardo Aragon, Guan Xiao, Patrick Bernier & Olive Martin und Basim Magdy. Ebenfalls in 2016 kuratierte sie die Gruppenausstellung The Morality Reflex im Contemporary Art Centre (CAC) in Vilnius. Zwischen 2013 und 2015 war sie als Untersuchungskuratorin mit der Ausstellung After Year Zero verbunden, die im Haus der Kulturen der Welt in Berlin (2013) und im Museum for Modern Art in Warschau (2015) gezeigt wurde. 2012 war Ballet als Assistant Curator der Biennale von Taipei tätig, und von 2008 bis 2012 arbeitete sie als Gallery Director bei Jan Mot in Brüssel.

 

Vorgeschichte BeaufortOp zoek naar Utopia_Jan Fabre

Die erste Ausgabe von Beaufort fand 2003 statt, mit Willy Van den Bussche, dem damaligen Direktor des PMMK in Oostende als Urheber. Sowohl für die Ausgabe von 2003 als auch 2006 war er Kurator von Beaufort. Monumentale Kunstwerke fanden ihren Platz in der einzigartigen Kulisse der Küste. Mit einigen ikonischen Bildern wie der Spinne von Louise Bourgeois und den Figuren von Antony Gormley als Resultat.

2009 wurde Phillip Van den Bossche, der heutige Direktor von Mu.ZEE, der Nachfolger von Willy Van den Bussche als Kurator. Er legte mit seiner Auswahl den Akzent auf Werke, die in Dialog mit dem Meer, dem Kulturerbe, den Bewohnern und der Geschichte der Küste gingen.
Auch 2012 nahm er die künstlerische Auswahl auf sich, in Zusammenarbeit mit einer künstlerischen Kommission und Intendant Jan Moeyaert von vzw Ku(n)st. Der Fokus lag auf Europa.
2015 wurde die Auswahl durch ein Team von Kuratoren getroffen, nämlich Phillip Van den Bossche, Hilde Teerlinck, Lorenzo Benedetti und Patrick Ronse unter dem Titel „Beaufort Beyond Borders“. Drei bemerkenswerte Kulturerbestätten spielten eine zentrale Rolle: das Naturreservat Het Zwin, die Domäne Raversyde und das Besucherzentrum De Nachtegaal.

Über alle Ausgaben hinweg wurden verschiedene Werke angekauft, und so entstand ein Figurenpark am Meer, der sich über die verschiedenen Küstengemeinden erstreckt.
 

Skulpturenpark Beaufort